Heimat-und Geschichtsverein Offdilln e.V.
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Offdillner Dorfgeschichten

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„Flammender“ Hauberg, eine Betrachtung über den Besenginster

Harro Schäfer

Nirgendwo sonst kann man die Ginsterblüte schöner und ausgeprägter betrachten, als in unserem Haubergsland. Alljährlich ist es eine Augenweide, wenn gegen Mitte Mai diese gelbe Pracht wie aus dem Nichts aus dem dreijährigen Hauberg hervorbricht und alles zu brennen scheint. Denn drei Jahre dauert es, bevor aus dem über zwanzig Jahre im Erdreich ruhenden Ginstersamen wieder blühende Pflanzen entstehen, die dann in den beiden sich anschließenden Jahren ihre volle Blühreife erlangen. Und diese Massenblüte setzt sich auch in den folgenden Jahren fort, und zwar so lange, bis aus den Stockausschlägen ein hoch gewachsener Haubergswald wird, der den Ginster immer mehr überdeckt

und schließlich zum Absterben bringt. Dass dieser Samen – so hat man anhand von Kahlschlägen festgestellt - sogar nach über hundertjähriger Ruhezeit seine volle Keimfähigkeit behalten hat, kann man ganz schlicht als ein Wunder der Natur bezeichnen.

„Giesterhaa“ (= Ginsterhain) nannten früher die hier lebenden Leute einen solchen Haubergshang, eine Bezeichnung, die im benachbarten Dillbrecht sogar zu einem Flurnamen wurde. Schon vor langer Zeit hatte man den Nutzen erkannt, den der Besenginster für das Wachstum der Hauberge erbrachte und ihn deshalb schon beizeiten unter Schutz gestellt. In der durch Graf Johann den VI. erlassenen „Holz und Waldordnung“ von 1562 wurde es erstmals verboten, den Ginster aus den Haubergen zu entnehmen. Das Bild von dem blühenden Ginsterhain wurde in der Offdillner Haubergsflur „Holzwiese“ aufgenommen.

 

 

Harro Schäfer

Ein ganzer Haubergshang sieht „Rot“

Digitalis purpurea

Atemberaubend schön sieht es aus, wenn im ausklingenden Monat Juni der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) im jungen Hauberg in voller Blüte steht. Geschätzt könnten es eine Million Pflanzen sein, die hier am Haubergshang in einem recht ansprechenden Kontrast zu den austreibenden Stockausschlägen stehen. Zwei Jahre hat es seit dem Abtrieb dieses Haubergsteils gedauert, auf unserem Bild ist es die „Vordere Hard“ im Offdillner Hauberg, ehe sich die gut eineinhalb Meter hoch wachsenden Stauden in ihrer ganzen purpurnen Pracht präsentieren konnten.

Dass aber der Rote Fingerhut zu den stärksten Giftpflanzen unserer heimischen Pflanzenwelt zählt, ist ihm rein äußerlich nicht anzusehen. So wird es dem vorüberziehenden Wandersmann auch sicherlich in keinster Weise bewusst sein, dass der ganze von ihm bewunderte Haubergshang in Wirklichkeit ein einziges Giftmeer ist. Aber gerade diese Giftigkeit macht die Staude auch zu einer unentbehrlichen Heilpflanze. Denn seitdem in 1775 ein englischer Arzt einem kundigen Kräuterweib deren Geheimrezept entlockte und dabei den großen Einfluss des Fingerhuts auf die menschliche Herztätigkeit entdeckte, haben sich die daraus gewonnenen Präparate und Arzneimittel zu klassischen Herzmitteln entwickelt.

Doch durch solche Gedanken sollten wir uns nicht die Freude an dem wunderschönen Anblick nehmen lassen, den wir noch zwei weitere Jahre hier haben können. Denn auch in den beiden folgenden Jahren wird diese Blütenpracht, zwar immer mehr abnehmend, an gleicher Stelle zu bewundern sein, um dann bis zum erneuten Abtrieb dieses Berges, nach vielleicht zwanzig Jahren, wie im Nichts zu verschwinden.

 

Harro Schäfer

Die Beweidung der Hauberge

 

Ursache für langjährige Grenzstreitigkeiten unter den benachbarten Dörfern

 

Zu den ältesten Haubergsnutzungen gehörte die Beweidung der mehrjährigen Hauberge durch die dörflichen Viehherden. In unterschiedliche Territorien, eingeteilt je nach Rinder- oder Schafweide, war sie für den Viehbestand unserer Dörfer bis gegen Ende der 1950 er Jahre eine unentbehrliche Einrichtung. Seit alter Zeit gab es dazu auch strenge gesetzliche Vorschriften, die das komplette Wachstum der Hauberg im Blickfeld hatten und zwingend einzuhalten waren. Die wichtigste Regel bestand darin, dass nach dem Holzabtrieb eines Berges eine gesetzliche Schonzeit von vier bis sieben Jahren - früher als Hegung bezeichnet – eingehalten werden musste, ehe Hirten oder Schäfer diese Fläche mit ihren Herden wieder nutzen durften. Hier wäre zu vermerken, dass die Schafherde schon den vierjährigen Hauberg beweiden durfte, die Rinderherde aber erst dann, wenn die jungen Lodenausschläge eine bestimmte Höhe erreicht hatten und damit dem Zugriff des Viehs entwachsen waren. Wenn also das Ganze sorgsam und in vernünftigen Grenzen betrieben wurde, konnte dem Hauberg kaum Schaden durch die Viehtrift entstehen.

Dieses Viehtreiben in die Hauberge – die Alten nannten es Weidgang - war früher eine zwingende Notwendigkeit, denn in der offenen Feld- und Wiesenflur waren die Möglichkeiten einer Beweidung nicht gegeben. Auch standen damals die gezüchteten und veredelten Futterpflanzen, die später eine vernünftige Stallhaltung ermöglichten, noch nicht zur Verfügung. Um aber einer mangelhaften Versorgung aus dem Wege zu gehen, blieben letztendlich nur die Hauberge mit ihren oft steilen Hanglagen als Äsungsfläche übrig. Sie waren daher, trotz ihrer eher mageren Vegetation, für die örtliche Weidewirtschaft schlichtweg unverzichtbar. So zogen dann über Jahrhunderte hindurch Herden und Hirten vom begonnenen Frühjahr an, meistens geschah der erste Viehaustrieb Anfang Mai, bis zum späten Herbst bis in die entlegensten Gemarkungsteile, um ja alle Futterressourcen zu nutzen. Und das Tag für Tag vom frühen Morgen bis zum späten Abend.  

 

 

 

Blick vom Romberg auf die Kurtenbacher Struth und den Bolzenberg. Wenn man die Fläche des jungen Haubergs betrachtet und bedenkt, dass sie einst laut Verordnung bis zu sieben Jahre vom Weidebetrieb ausgeschlossen werden musste, gewinnt man einen Einblick

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